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Anita Ammersfeld


Uj jessas, nur net schlag'n
Der jüdische Beitrag zum Wiener Lied

Die Zeile aus dem Fiakerlied, einem der wohl bekanntesten Wienerlieder, die dem Programm den Namen gab, "Uj Jessas, nur net schlag'n", verrät die Ambivalenz der Wiener Juden, die ihre Stadt geliebt haben und sie gleichzeitig auch vergessen wollen.

Produktionen - uj jessas

"Meine liebe Niki, ich hätte nie geglaubt, daß ich einmal die Chance haben würde, mit einer echten Operettendiva zusammen arbeiten zu dürfen. Unter anderem deshalb, weil ich Angst vor ihnen hatte. Aber mit Dir zu arbeiten, war ein wahres Vergnügen. Das höchste Lob, das mir dazu einfällt lautet: Du bist ein Profi. Ich hätte ja gerne mehr Duette mit Dir gesungen, aber wann immer wir das getan haben, merken die Leute, daß ich eigentlich gar nicht singen kann. Daher gestatte mir, daß ich Dich aus der Ferne verehre, und mich freuen kann, daß es Dich gibt. Alles Liebe, Dein Gerhard Bronner.
(Gästebuch-Eintrag vom 25.08.2000)

Viele der populärsten und bekanntesten Wiener Melodien wurden von "echten Wienern" geschrieben, die in den Augen Hitlers außerdem noch "echte" Juden waren. Sie wurden deportiert, gefoltert, ermordet, aber ihre Musik wurde weder sang- noch klanglos ein selbstverständlicher Bestandteil der Wiener Kultur. 

Auch heute schreiben, singen und spielen diese "echten Wiener", die außerdem noch "echte" Juden sind, ihre Lieder. Einige von ihnen, wie die Künstler dieser Produktion, bringen damit ihre oft so ambivalente Liebe zu Wien und ihre oft so schmerzhafte Liebe für ihr Volk zum Ausdruck und ihrem Publikum nahe.

Eine Gratwanderung
zwischen Vertrautheit und Fremde,
zwischen Lachen und Erstarren,
zwischen bitterer Ironie und Verstehen,
zwischen vergnügter Unterhaltung und betretenem Schweigen,
zwischen Gefühlen der einen und der anderen Art.

Lieder von Leo Ascher, Grünbaum, Herman Leopoldi, Emmerich Kalman, Oscar Straus, Gerhard Bronner u.v.a.

In der Originalbesetzung unter der Regie von Michael Maurer: Gerhard Bronner, Anita Ammersfeld und René Rumpold.

Den Künstlern liegt dieser Abend nicht zuletzt aus persönlichen Gründen am Herzen. Bronner mußte mit fünfzehn aus Wien vor den Nazis fliehen. Er ist der einzige Überlebende seiner Familie. Auch Ammersfeld verlor einen Teil ihrer Familie an die Mörder des Naziregimes.

Dieser Abend ist nicht nur eine professionelle Theatervorstellung wie viele andere. Das auch, aber nicht nur. Es ist ein Abend, wo dem Publikum das Lachen auch manchmal im Hals stecken bleibt, wo der Charme der Melodien plötzlich ganz anders klingt, wenn man die Geschichte der Lieder erfährt - für jene, die sie inmitten der schwungvollen Unterhaltung hören wollen.

Wenn man einem Tier Schmerzen zufügt, dann heult es. Der Mensch hat noch eine Alternative: er kann lachen. Wir lachen noch, und singen und spielen. Trotzdem.

Zu dieser Produktion ist auch eine CD entstanden, "Ich hab' kein scharfes Messer", die über diese Homepage bestellt werden kann.

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